"Dirigent Olivier Robe setzt ungemein gesangliche phrasierungen." 

"...each movement is elaborated in detail - to a small masterpiece in itself."

43. SCHWETZINGER MOZARTFEST - SÜDWESTDEUTSCHES KAMMERORCHESTER PFORZHEIM SPIELT MEISTERWERKE

Hört auf die Nuancen!

01. Oktober 2018  |  Autor: Hans-Günter Fischer

Nichts Besonderes beim Schwetzinger Mozartfest, könnte man meinen. Es ist mittlerweile schon das 43., und zur Eröffnung hat man das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim eingeladen, das schon ziemlich oft im Rokokotheater aufgetreten ist. Doch einmal davon abgesehen, dass man solche eingespielten Kontinuitäten in der überdreht konfusen Twitter-Welt von heute wieder neu zu schätzen weiß, belegt der Abend einen durchweg inspirierten Umgang mit der Tradition. Und wir erfahren, was da alles im bewährten Mainstream, den man Wiener Klassik nennt, herauszufischen ist.

Ein Schleppnetz kommt hier nämlich nicht zum Einsatz, um im Bild zu bleiben. Punktgenau und artenschonend „nachhaltig“ wird vorgegangen. Die Orchesterleitung hat Olivier Robe inne, der häufig Philippe Herreweghe assistierte, einem Urgestein „historisch informierten“ Musizierens. Seine Einsichten drückt der Dirigent den Konzertbesuchern aber ganz sanft aufs Ohr, bereits in einer kleinen Sinfonie von Joseph Haydns Bruder Michael.

Rasant, aber auch immer elegant wird sie durchmessen, der Orchesterklang ist schlank und hell, aber auch warm. In Mozarts drittem Violinkonzert spielt Lena Neudauer den Solopart, die Münchnerin gönnt ihrem schönen, runden Ton durchaus Vibrato.

Aber es ist rosshaarfein dosiert. Und die Kadenzen sind bei

Neudauer eher ein Atemholen. Kein Brillieren oder Durchstarten.

Detailreich ausgearbeitet

Das ist so sinnlich sinnig wie danach ein frühes „Mailänder

Quartett“ von Mozart in einer Bearbeitung für Streichorchester. Dirigent Olivier Robe setzt ungemein gesangliche Phrasierungen. Aber das Hauptwerk ist die G Dur-Sinfonie vom „großen“ Haydn (Nummer 88), deren schwergewichtiger Beginn bereits den großen Furtwängler begeistert hat. In Schwetzingen ist jeder Satz detailreich ausgearbeitet – zu einem kleinen Meisterwerk für sich.

Auch der finale Kehraus, der nicht deftig, sondern wie auf

Zehenspitzen abschnurrt. Das Konzert ist also doch etwas

Besonderes.

© Schwetzinger Zeitung, Montag, 01.10.2018

Göttinger Tageblatt, 18.12.2018 - Christoph Höland:

"...das Programm ... sorgte immer wieder für lauten Applaus."